Marktgemeinde Ybbsitz
 



Bürgermeisterkette der Marktgemeinde Ybbsitz

 

BÜRGERMEISTERKETTE

 

 

Gefertigt:      2008, geändert 2010

Material:       Silber

Entwurf:        Konstantin Kravchuk, Ukraine

Ausführung (Gravur):  Konstantin Kravchuk, Mechylaw Povlovych, Ukraine

 

 

Die Bürgermeisterkette besteht aus 28 Kettengliedern und einem größeren Medaillon, dem Marktwappen.

 

Zu den einzelnen Darstellungen:

 

Das Marktwappen:

 

Das Wappen des Marktes ist ähnlich dem des Stiftes Seitenstetten. Das Marktwappen besteht  aus dem Schilde, dem schiefen Kreuze auf drei Hügeln und links unter dem schiefen Querbalken einem Sterne, als Abschluss nach oben finden wir zwei nach oben gekreuzte Hämmer, dazwischen schiefstehend eine Kugel mit Pfeil. Die Balken des Kreuzes sind entweder glatt oder geästet. Der Stern ist jedenfalls nur zur Unterscheidung vom Stiftswappen.

 

 

 

 

Das Schild allein mit der Kreuzfigur finden wir auch in den Siegeln der Äbte Christian Kolb (1441 bis 1465), Kaspar Plauz (1610-1627), Gabriel Sauer (1648-1674) und Dominik von Gußmann (1747-1777). Alle übrigen Äbte gebrauchten nur den Stiftsschild allein in Verbindung mit ihrem Geschlechtswappen.

Schenkung durch Erzbischof Wichmann von Magdeburg - Markterhebung durch Kaiser Friedrich III.

 

Wichmann von Seeburg (* vor 1116 wahrscheinlich in Gleiß; † 25. August 1192 in Könnern) war von 1149 bis 1154 Bischof von Naumburg und anschließend, nachdem er von 1152 bis 1154 Verweser des Erzbistums Magdeburg war, von 1154 bis 1192 Erzbischof von Magdeburg.

 

1185 schenkte Wichmann dem Stift Seitenstetten einen Teil seines Waldgebietes an der Ybbs. Dieses Gebiet beginnt an der Einmündung des Arzbaches und der Kleinen Ybbs in die Ybbs, geht längs des Arzbaches hinauf bis zum Ursprung, dann hinüber zum Urnbach, an diesem hinauf bis zum Ursprung, am Haselgraben u. Ybbsitzbach herab bis zum Zogelsbach, von hier nach Süden bis zum Falkenbrunn (Ungerreitgraben) und von diesem in die Prolling und hinter dem Gaissulzberg wieder zurück bis zur Arzbachmündung.

 

In einer Urkunde aus dem Jahre 1186, worin Papst Urban III. dem Stift Seitenstetten alle Schenkungen bestätigt, finden wir zum ersten Male den Namen Ybbsitz als "Ibisitze".

 

 

Auf die Bitte Abt Kilian Heumaders (1477-1501), der vor seiner Abtwahl mehrere Jahre Pfarrer in Ybbsitz war, erhob Kaiser Friedrich III. "am Mittichen nach dem St. Erasmustage im Jahre 1480 Ybbsitz zum Markt mit aller Freyung, Freiheit und Gerechtigkeit, so andere Märkte in unserem Fürstentum Österreich haben". Außerdem erhielt der neue Markt die Bewilligung "wöchentlich am Montag einen Wochenmarkt zu halten".

 

 

Glasgemälde, um 1477, ursprünglich in der Pfarrkirche, heute im Stift Seitenstetten

 

Das Landeswappen von Niederösterreich:

 

Das NÖ Landeswappen zeigt in Blau fünf goldene Adler in der Anordnung 2 - 2 - 1, wobei die paarweise gestellten Adler die Köpfe einander zugewandt haben, während der unten allein stehende Vogel nach heraldisch rechts sieht. Als Zier trägt das Wappen eine goldene Mauerkrone mit drei Zinnen.

 

 

Die Festlegung in dieser Form erfolgte 1920. Dabei ging man vom seit 1804 offiziell als Wappen des Landes unter der Enns eingeführten Fünf-Adler-Schild aus - einerseits die Kontinuität zu betonen, andererseits aber durch die Mauerkrone den Anbruch einer neuen republikanisch-bürgerlichen Ära zu symbolisieren.
Das 1804 eingeführte Wappen hatte dagegen als Zier den österreichischen Erzherzogshut gezeigt.

An der Kette befinden sich verschiedene Meisterzeichen der Ybbsitzer Schmiede.

 

Ybbsitz war seit seiner Gründung für die Entwicklung der Eisenindustrie wie geschaffen. Die Lage inmitten der „Eisenwurzen“, die günstigen Wasserkräfte, der Holzreichtum für die Kohlenerzeugung, die Nähe des steirischen Erzberges, die Lage an der Hauptverbindung zwischen Erzberg zur Donau begünstigten diesen Aufschwung.
Im Jahre 1437 wird schon in einer Urkunde von der „uralten Werkstatt“ in Ybbsitz gesprochen und in diesem Jahre wurden den Schmieden in Ybbsitz das Recht eingeräumt, alljährlich eine bestimmte Menge Eisens aus dem Eisenlager in Eisenerz zu beziehen..
Die Schmiede in Ybbsitz wurden in „privilegierte“ und „nicht privilegierte“ unterteilt. Die fünf privilegierten Handwerke waren:

a) Hackenschmied
b) Reifmesserschmied
c) Krautmesserschmied
d) Löffelschmied
e) Scherenschmied.

 

 

Die Pfannenschmiede bildeten für sich eine eigene Gruppe, außerdem gab es Bohrer (Neiger), Ahl-, Sägeblätter-, Messer-, Säbel-, Striegel-, Nagel-, Schlageisen und Spalierhagelschmiede, Schlosser, Lötschlosser, Hufschmied und im innigen Zusammenhang mit den Schmieden eine Anzahl Schleifer und Drechsler.

 

Schon lange vor der Markterhebung im Jahre 1480 hatten sich die Schmiede zunft- und innungsmäßig vereinigt, um ihre Interessen besser vertreten zu können. Es sind hier die „Leonhardi-Zeche“ und die „Frauenzeche“ als uralte Einrichtungen zu erwähnen. Patrone waren der Hl. Leonhard und der Hl. Eligius. Später war auch eine „Barbara Zeche“. Nur Schmiede, welcher einer Zunft angehörten, konnten ihr Handwerk ausüben. Das Zunftwesen war nicht bloß eine äußerliche Verbindung, sondern bildete eine kräftige Organisation der gesamten Schmiedschaft. Sie leitete und schützte den Schmied bis zum Tod, unterstützte ihn in Armut, half ihm in der Krankheit und in allen Anliegen des Lebens. Für alte und erwerbsunfähige Meister und Gesellen wurde auf humanste Weise gesorgt, es bestand sogar ein eigenes Spital, das erst im Jahre 1890 aufgelassen wurde. Das Zunftwesen hatte aber auch eine religiöse Bedeutung. Besonders feierlich wurde das Fronleichnamsfest begangen, wobei sich Richter und Rat, Zechmeister, Meister und Gesellen und alles andere gemeine Handwerksgesind, Manns- und Weibspersonen in guter züchtiger Ordnung einzufinden hatten.

 

1572 finden sich in Ybbsitz bereits 72 privilegierte Schmiedemeister – mit den nicht privilegierten Pfannen- und Bohrerschmieden muss zu dieser Zeit von ca. 90 Schmiedemeistern ausgegangen werden. Es setzte sich eine weitgehende Spezialisierung der einzelnen Werkstätten durch. 1640 waren bereits 14 Sparten in Ybbsitz zugelassen: Die Erzeugnisse der Ybbsitzer Schmiede wurden nach Deutschland (bis Frankfurt und Hamburg), Böhmen und Mähren, Schlesien und Preußen, Polen und Russland, Triest und Italien (besonders Venedig) sowie donauabwärts in Balkan und Vorderen Orient ausgeführt.


Im FeRRUM sind noch der goldene Ehrenbecher der Meister aus dem Jahre 1747 und der silberne für die Gesellen von 1820 zu besichtigen. Die Innungen hatten auch Wappenschilde. Erhalten sind noch zwei – jener der Pfannenschmiede von 1744 und einer der Zeugschmiede aus dem Jahre 1799. Die kleinen Medaillons  sind dem Verzeichnis über „Sämtliche Eisen- und Stahlwaren“ aus dem Jahre 1824 entnommen und stellen der Reihe nach den

 

1 Pfannenschmied

2 Reifmesserschmied

3 Krautmesserschmied

4 Löffelschmied

5 Scherenschmied

6 Hammerschmied

7 Hufschmied

dar.

 

SENSE UND AXT (HACKE)

Diese beiden landwirtschaftlichen Geräte in Verbindung drücken sicherlich die bedeutende Stellung der Landwirtschaft in dieser Gemeinde aus, ist doch die Gemeinde mit einem erheblichen Anteil an Wald ausgestattet und bildet die Landwirtschaft nach wie vor einen nicht unwesentlichen Teil am Erwerbseinkommen der Bevölkerung.

 

 

 

SCHLÜSSEL

Der Schlüssel im Wappenschild als heraldische Figur ist ein Zeichen der Aufgeschlossenheit.

Der Schlüssel kann aber auch als Symbol der Macht gelten. Wer die Schlüssel hat, hat die Macht. Kann auf- und zuschließen; kann kommen und gehen – je nach Belieben.

 

 

Schlüssel sind auch Symbole der Freiheit und der Identität.

Folgende Ybbsitzer Schmiede verwendeten und führten den Schlüssel als Meisterzeichen: Welser, Spitzhirn, Stiebler, Schölnhammer,  Ring

 

SÄBEL, SCHWERT

 

 

Der Säbel bzw. das Schwert sind leichte Hieb- und Stichwaffen. Der klassische Säbel war gekrümmt und nur einseitig geschliffen. Er war die typische Waffe leichter Kavallerie wie etwa der Husaren.

Iustitia (deutsch: Justitia) ist die römische Göttin der Gerechtigkeit und des Rechtswesens.
Justitia wird meist mit verbundenen Augen dargestellt, die in einer Hand eine Waage, in der anderen das Richtschwert hält. Dies soll verdeutlichen, dass das Recht ohne Ansehen der Person nach sorgfältiger Abwägung der Sachlage (Waage) gesprochen und schließlich mit der nötigen Härte (Richtschwert) durchgesetzt wird.
Dr. Ernst Meyer schreibt in der Geschichte des Marktes Ybbsitz, dass sich 1797 die Ybbsitzer Schmiede bereit erklären, in 12 Wochen 35 000 Stück Säbel zu liefern. Also auch in Ybbsitz wurden früher leichte Waffen hergestellt.

Die Schwerter könnten auch als Symbol für die Gerichtsbarkeit des Ortes stehen.
In Ybbsitz finden wir in Bezug auf die Gerichtsbarkeit das Marktgericht als niederste Instanz, dann das Hof- und Landgericht. Die Marktgerichtsbarkeit erstreckte sich nur auf die geringeren Vergehen. Die schweren Vergehen fielen in den Wirkungskreis des Landgerichtes, an dessen Spitze ein vom Prälaten ernannter, rechtskundiger Hofrichter stand.

Folgende Ybbsitzer Schmiede verwendeten und führten den Säbel als Meisterzeichen Spitzhirn, Damisch, Fahrngruber, Weißenhofer


 

Das Logo der Österreichischen  Eisenstraße:

 

 

Die Grundform des Dreiecklogos hat folgende Bedeutung: Die drei Dreiecke stehen für Kultur, Natur und Erlebnis, der schwarze Korpus für den Erzberg mit den Abbaustufen. Die Dreiecke ergeben durch die Bundesländer Steiermark (grün), Oberösterreich (rot) und Niederösterreich (gelb) die Österreichische Eisenstraße. Das Logo ist gleichzeitig das Logo der Arbeitsgemeinschaft Österreichische Eisenstraße.

 

Die Bürgermeisterkette möge den Träger dieser Kette verpflichten, stets zum Wohle aller Einwohner zu handeln und auch immer solche Beschlüsse herbeizuführen, die die Zustimmung weitester Kreise finden. Sie möge den Bürgermeister verpflichten, sein hohes Amt stets uneigennützig und ohne Parteipolitik zu führen, engen Kontakt mit der Bevölkerung zu halten und letzten Endes sollen Politik und Verwaltung gemeinsam arbeiten zum Segen der Marktgemeinde Ybbsitz.

 

 

 

 

 

 

 

Die feierliche Präsentation und Übergabe erfolgte am 20. Dezember 2008 im Rathaus anläßlich der Schmiedeweihnacht unter Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste.

Gesegnet wurde die Kette von Pfarrer Geistl.Rat P. Vinzenz Kinast.