Marktgemeinde Ybbsitz
 



FIRMA SONNECK - EIN FIRMENPORTRAIT

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Vor 130 Jahren begann die Erfolgsgeschichte des Betriebes der Familie SONNECK, deren Produkte bis heute für Qualität bürgen.

 

Am Anfang stand der aus Iglau (Tschechien) eingewanderte Emanuel Sonneck, der von der Witwe seines Lehrmeisters dessen Zeugschmiede erworben hatte. Begonnen hatte Sonneck mit dem Produkt dem Reifmesser. Doch der junge Handwerker erzeugte später auch Beißzangen sowie Stemmeisen. Auch kam dazu eine Wassersteinschleiferei, die Emanuel Sonneck am Prollingbach am Fuße des Nothberges in Ybbsitz errichtete. Weiterhin wurde das Werkzeug in Handarbeit (1905 10-12 Angestellte) hergestellt. Für den Vertrieb sorgte die Ybbsitzer Verkaufsgenossenschaft, die die Ware in alle Teile der Monarchie und darüber hinaus verbreitete.

 

Einen Einbruch erlebte die Firma mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs, der die Familie Sonneck zwang die Produktion stark einzuschränken. Die beiden älteren Söhne des 1913 verstorbenen Emanuel, Eduard und August Sonneck, wurden zum Militär eingezogen, sodass ihr jüngerer Bruder Alois gezwungen war noch vor Ende seiner Pflichtschulzeit in den Betrieb einzusteigen. Die Schmiede musste als Zweimannbetrieb weitergeführt werden.

 

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1918 – Österreich war eine Republik geworden und drastisch verkleinert – versuchten die Brüder Sonneck an die Erfolge vor dem Krieg anzuknüpfen. Doch sie standen vor mannigfaltigen Problemen, dader Wirtschaftsraum Österreich-Ungarns zusammengebrochen war – wichtige Absatzmärkte lagen jetzt in den Nachfolgestaaten der Monarchie, die sich durch eine Schutzzollpolitik vom kleinen Österreich (bis 1919 „Deutschösterreich“) abzugrenzen versuchten. In den zeitgenössischen Quellen wird immer wieder vom Sterben kleinerer Schmieden in Ybbsitz gesprochen.

 

Dennoch entschlossen sich die Brüder (Brüder Sonneck OHG) die Produktion wieder aufzunehmen – und auch auszubauen. Nach 1919 bauten sie Wohnhaus und Werkstätte aus. 1922 erwarben sie den „Wagnerhammer“ von der Ybbsitzer Werksgenossenschaft und erhöhten trotz der schwierigen Lage das Personal auf rund 30 Leute. Doch die Art wie vor dem Krieg produziert wurde, schien nicht mehr zeitgemäß. Statt der handwerklichen stellte man auf maschinelle Produktion um. Die so typischen Schwanzhämmer verschwanden aus den Werkstätten, stattdessen kamen Fall- und Federhämmer sowie Exzenterpressen in die Werkshallen. Der „Greulhammer“ wurde erworben, das Programm der Produkte erweitert. Zu den Reifmessern, Beißzangen und Stemmeisen kamen Hämmer und Schaufeln hinzu.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ehem. "Greul-Hammer"

 

Als dann die Ybbsitzer Werksgenossenschaft zusammenbrach, musste sich die Firma Brüder Sonneck OHG ein eigenes Vertriebsnetz für ihre Werkzeuge aufbauen. Per Motorrad und später per Auto besuchten die Firmenteilhaber ihre Kunden persönlich und verkauften quasi als Vertreter ihre Produkte vor Ort. Dies führte dazu, dass die ab dem Jahr 1930 in Österreich einsetzende Wirtschaftskrise den Betrieb auch nicht so stark traf – im Gegenteil: Der Produktkatalog konnte auf über 400 Artikel ausgebaut werden; für 30 Ybbsitzer bedeutete dies in der Zeit von Not, Arbeitslosigkeit und Elend sowie politischer Unruhen eine gesicherte Existenz.

 

"Werks- u. Verkaufsgenossenschaft"

 

Nach Einmarsch im März 1938 und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs im September 1939 traf der von Hitler losgelöste Weltbrand auch die Firma Sonneck mit voller Härte. Viele Angestellte mussten einrücken; ihre Plätze nahmen nun Frauen und Jugendliche ein, denn Werkzeuge blieben weiter gefragt. 1940 konnte der „Genossenschaftshammer“ erworben werden sowie das bis heute benutzte Magazin- und Bürogebäude. Hier ging auch die erste Schmiedepresse von 350 Tonnen Druckleistung in Betrieb.

 

Hitlers Dritte Reich ging im Mai 1945 in Blut und Tränen unter und gipfelte mit dem Einmarsch sowjetrussischer Truppen zu Kriegsende. Hier hatte auch die Firma Sonneck schwer zu leiden. Die siegreiche Rote Armee beschlagnahmte nicht nur Fertigware sondern auch viele Maschinen und Gebäude erlitten schwere Schäden. Unter den ehemaligen Sonneckarbeitern gab es auch viele Gefallene, die nur schwer ersetzt werden konnten. Auch Eduard Sonneck sen. verstarb kurz nach Kriegsende.

 

ehem. "Wagner-Hammer"

 

Erst mit der Rückkehr der Söhne Eduard und Kurt aus der Kriegsgefangenschaft, gelang es die Produktion in kleinem Rahmen wieder anlaufen zu lassen. Die Beschaffung von Vormaterialien war in diesen Jahren beinahe unmöglich, daher wurden hohe Summen in den Aufbau einer Warmwalzstrecke investiert. Dies versetzte die Firma Sonneck in die Lage, jedes benötigte Vormaterial auf Lager zu haben und gut lieferfähig zu bleiben.

 

Die Not an Werkzeugmaterial machte erfinderisch, daher wurden Panzerplatten für die Herstellung von Zieh- und Presswerkzeugen verwendet. Mit der Eröffnung eines Wiener Auslieferungslagers am 1. September 1950 erfolgte eine intensive Betreuung des wichtigen Wiener Marktes.

 

Durch den Ankauf des „Schindlhammers“ sowie des dazugehörigen Herrenhauses gelang ein weiterer Ausbau der Produktion. Die Eigentümer investierten in große Maschinen, dadurch gelang es konkurrenzfähig Beile, Sapinen und Krampen herzustellen. Ab 1963 stellte die Firma Sonneck auch Stiele für das Werkzeug selbst her.

 

"Schindler-Hammer"

 

Zu Beginn der 70er Jahre kam jedoch ein Umschwung. Billigere Konkurrenzprodukte aus dem Osten zwangen die Firma Sonneck einige Produkte aus der Produktion zu nehmen und ihren Kunden Importware anzubieten – vor allem: Zangen, Hämmer, Locheisen, Stechbeitel, Gartenrechen oder Laubbesen. Dieser Strukturwandel vollzog sich innerhalb kurzer Zeit. Weiterhin produzierte man Holzstiele, konnte aber auch Großaufträge für Werkzeuge aus dem Nahen Osten erlangen (u.a. Steinspalthämmer für den Jemen).

 

"Genossenschaftshammer"

 

1975 konnte die Firma Sonneck ihr 100jähriges Betriebsjubiläum feiern. Doch die Konkurrenz wurde immer härter und forderte von den Betriebsinhabern nicht nur härter zu arbeiten, sondern auch  mit immer neuen (Geschäfts-) Ideen zu punkten. Vor allem die aus Deutschland hereindrängenden Baumärkte begannen nicht nur den Preiskampf sondern es führte auch dazu, dass viele Eisenwarenhändler sich Einkaufsverbänden anschlossen.

 

Die Produktion von Baubeschlägen wurde aufgenommen, ebenso die Herstellung von Fechtklingen für die zwei größten deutschen Unternehmen. Zahlreiche Spitzensportler erfechten mit Klingen der Firma Sonneck aus Ybbsitz ihre Erfolge.

 

Mit dem US-Unternehmen Joseph Enterprises Inc. kam es zur Zusammenarbeit, diese beauftragte die Firma Sonneck mit dem Vertrieb der „Gartenkralle“ in Österreich und Südtirol, einem der erfolgreichsten Gartenprodukte für viele Jahre. Aus der OHG wurde schließlich als Gesellschaftsform die Ges.m.b.H. gewählt.

 

Heute wird der Hauptumsatz der Firma Sonneck durch Garten- und Bauwerkzeuge, Baubeschläge und Snowmaster Wintergeräte erwirtschaftet. Durch diese Erfolge sichert sich der Betrieb in Ybbsitz weiterhin einen wichtigen Platz in der österreichischen und europäischen Industrie.

 

 

                                         Magazingebäude