Marktgemeinde Ybbsitz
 



Ybbsitzer Waffeln

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Jahrhundertelang war Ybbsitz als europäisches Schmiedezentrum für seine Kleineisenprodukte bekannt. Ybbsitzer Qualitätswaren wurden einst bis nach Russland geliefert. Besonders gefragt: die Waffeleisen, mit denen bis ins vorige Jahrhundert zu besonderen Anlässen Waffeln gebacken wurden. Eine Tradition, die es wiederzubeleben gilt...

 

 

Waffeleisen fallen einem heute in Museen als lange, zangenförmige Geräte auf. Außen unscheinbar, zeigen sich die geöffneten Platten meist reich verziert. Blumenornamente, Wappen, religiöse Darstellungen, die heute kulturgeschichtlichen Wert haben. So mancher Schmied hat neben handwerklichem Geschick auch gestalterisches Können und eine individuelle Handschrift bewiesen. Die frühesten Erzeugnisse datieren aus dem 16. Jhdt. - damals erlebte das Ybbstal auch eine Blütezeit im Schmiedewesen.

 

 

Heute sind solche historischen Eisen, mit denen auch Hostien gebacken wurden, begehrte Sammlerstücke. Aber sie waren auch schon damals nicht billig. Der Ybbsitzer Reifmesserschmied Ignaz Weißenhofer (1817 - 1892) war einer der letzten Professinisten, der sich auf das Fertigen dieser Eisen verstand. Er besaß das erste Haus am Platz, das ehemalige herrschaftliche Amtshaus des Stiftes Seitenstetten - heute bekannt als "Haus FeRRUM", das auf drei Ebenen zu einer Wanderung durch die Welt des Eisens einlädt und unter anderen kostbaren Originalen auch ein von Ignaz Weißenhofer produziertes Waffeleisen zeigt.

 

Nach Weißenhofer hat für kurze Zeit nur noch ein einziger Schmied diese Eisen erzeugt - und eines seiner Produkte wurde einst gar auf einer Weltausstellung in Paris gezeigt: Franz Damisch, der Letzte einer sehr angesehenen Ybbsitzer Schmiedefamilie. Doch so ganz ist das "Eisen im Blut" nicht versiegt, denn der Urenkel, der international bekannte österreichische Maler Gunter Damisch, hat sich auch als Metallbildhauer einen Namen gemacht.

 

 

Mit dem Niedergang der Kleineisenindustrie im Ybbstal verschwand nach und nach auch die Tradition des Waffelbackens, und damit gingen auch alte Küchengeheimnisse verloren. Denn nicht nur zur Fertigung von Waffeleisen brauchte es die Hand eine Spezialisten, auch das Backen selbst, das natürlich "Frauensache" war, erforderte Erfahrung und Können. Was heute mit elektrischen Geräten relativ schnell und einfach geht, war früher über offenen Feuer eine sehr mühselige Angelegenheit.

 

Damals fehlten die Waffeln, die auch "Eisenkuchen" genannt wurden, auf keinem Speisezettel. Nicht nur als Süßspeise - auch sehr geschmackvolle Variationen mit Kümmel, Käse, Speck waren in der Mostviertler Küche bis ins 20. Jahrhundert hinein zu Feiertagen und besonderen Anlässen gefragt. Das sehr aufwändige Backen führte jedoch dazu, dass die Waffeln aus "der Mode kamen", zumal es dann bald schon maschinell gefertigte Produkte gab. Die alten Eisen wurden in der Folge entsorgt oder landeten in volkskundlichen Sammlungen. Heute gibt es kaum ein Heimatmuseum, das in seinen Bestänen nicht über das eine oder andere alte Waffeleisen verfügt. Dass es sich dabei überwiegend um Ybbsitzer Erzeugnisse handelt und welche Tradition einst damit verbunden war, war bisher nur wenig bekannt.